B39: Herzl, Theodor_75 Arthur Schnitzler an Herzl, Abschrift, Seite 37

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14.1.95.
Lieber Freund!
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Einige Fragen, um jeden überflüssigen Zeitverlust zu ersparen.
Am 27. sind die drei ersten Wochen aus. Falls bis dahin von Brahm
keine Antwort da ist - man muss daran denken! - wird es wohl gut sein,
dann bis zum letzten des Monats zu warten und dann die Aufforderung,
das Stück weiterzusenden, durch Schick wiederholen zu lassen? Und aus-
serdem könnte man einen Brief an Blumenthal absenden, der auch ihn auf
die Vorbemerkung des Stückes aufmerksam macht. Auf alle Fälle aber
muss man darauf gefasst sein, dass das Stück im Falle der Nichtannahme
von Brahm direct an Schick zurückgesandt wird, denn der Eigensinn und
die Ungefälligkeit der Directoren ist unberechenbar. Ich erwarte Ihre
Meinungsäusserung, lieber Freund.
Das Manuscript will ich in Ehren halten, und nicht erst darauf warten,
dass es eine angenehme Erinnerung werde, um mich herzlich daran zu freu-
en. Vielen Dank für die warmen und schönen Worte, mit denen Sie das
liebe Geschenk begleiten.
Nun sollen also die nächsten Palais Bourbon-Feuilletons und - das
nächste Stück erwartet werden. Ich weiss nicht, ob Sie damit zufrieden
sein werden, wenn ich den Stücken den echten und tiefen Erfolg Ihrer
Feuilletons wünsche - aber Sie selbst können ja da unten in Paris kaum
die Wirkung beurtheilen, welche diese Feuilletons machen. Von der künst-
lerischen spreche ich natürlich. Sie müssen sie unbedingt gesammelt
herausgeben; natürlich nicht nur die Bourbonschen. Zwei Bücher: Paris
und die Politik, Paris und die Kunst - Natürlich bessere Titel, als mir
da eben einfallen.-
Seien Sie vielmals herzlich gegrüsst von Ihrem treu ergebenen
Arthur Schnit