B43: Hofmannsthal, Hugo von_1 an HvH, Abschrift, Seite 70

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XVIII.Spöttelgasse 7.
4.11.1903.
Lieber Hugo, über Elektra habe ich mich sehr gefreut,
und das Goldmannsche Telegramm gehört zu dem Uebrigen.
Denken Sie, dass er, seit er Wien verlassen, Mitte Sep-
tember, keine Zeile an mich geschrieben hat.
- Das Stück ist schon an Brahm abgegangen. Freitag
gehen wir auf ein paar Tage auf den Semmering. Mitte
nächster Woche möchte ich vorlesen. Sagen Sie mir
bitte, ob Ihnen Donnerstag Abend 17 recht wäre. Fragen
Sie auch gleich den Richard, Dieser Tage ist die
Kakadu-Première in Paris; Antoine scheint sich nach
einem Brief von ihm und von einigen andern, die Proben
gesehen haben, viel zu versprechen.
Grüssen Sie von uns beiden herzlich Gerty und Hof-
mannsthal den Winzigen.Sich selber desgleichen.
-Hat sich die Burg um die ihrer Hoheit entkleidete
Griechin beworben?.. Aus dem alten Sophokles ein Zug-
stück zu machen! Echt jüdisch.
Ihr A.
F.
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(1902)
Mein lieber Hugo, unter den jetzigen Witterungsverhält-
nissen empfiehlt es sich jedenfalls, unsern Spaziergang
erst gegen Abend, etwa von 5-e Uhr an zu machen und ir-
gendwo draussen (Salmannsdorf, etc.) zu nachtmahlen.
Richten Sie sichs also mit Gerty lieber so ein, dass
Sie an dem betreffenden Tag nicht mehr nach Rodaun
hinaus müssen. Unsere Gegend (worunter ich Pötzleins-
dorf, Neuwaldegg, Weidling Bach etc., kurz alles zwi-
schen der alten Tullner Reichsstrasse bis zur Donau
verstehe) ist wirklich wundervoll, ich radle manchmal
(zu selten) nur in den Wald zwischen Pötzleinsdorf
und Neuwaldegg und bin immer wieder von neuem ent-
zückt. Schade, dass man nirgends angenehme oder nur
mögliche Hotels findet. Ich schlage Ihnen den Mitt-
woch vor, an welchem Tag wir Sie mit Gerty um 5
erwarten. Sind Sie aber schon Vormittag in Wien, so
wäre es ausnehmend nett, wenn Sie bei uns schon speis-
ten (gegen ½) -wir ruhen uns dann in der Nachmittags-
hitze aus, und gehen fort, wanns uns beliebt. Viel liegt