B52: Körner, Josef, Seite 33

PRAG XIX., Na hutich 661.
PROF. Dr., JÖSEF KÖRNER
G.C.H.F.P
4i II. 1931.
Hochverehrter Herr Doktor,
zunächst muß ich dringend Ihre Entschuldigung erbitten, daß Ihr
v. Schreiben vom 19. v. M. erst heute Erwiderung findet. Zwei Öffentliche
Vorträge und die massierte Arbeit am doppelseitigen Semesterschluß lies-
sen mir buchstäblich kein Stündchen frei.
Ueber den Inhalt Ihrer Zuschrift war ich (erlauben Sie dies zu sa-
gen) außerordentlich erstaunt. Es liegt ein Maßverständnis vor, das zu be¬
heben mir hoffentlich gelingen wird. Mein Artikel ist für eine gelehrte
Zeitschrift geschrieben, deren Leser über vieles, was man dem breiteren
Publikum einer Zeitung erst ausdrücklich sagen muß, aus Eigenem unterrich-
tet sind; ihnen ist zur Genüge bekannt, wer A. S. ist und es wäre geradezu
unschicklich, an solchem Orte vor dem angestellten Vergleiche Davids mit
8. erst noch den Höhenunterschied festzustellen. Die Sache liegt doch so,
in dem fast schon vergessenen David die (nicht sehr zahlreichen)
guten dadurch herausstellen wollte, daß ich ihn gegeh Sie abhob.
daß ich
Das konnte, da er dort, wo er etwa mit Ihnen gleichgerichtet ist, weit und
ter Ihnen bleibt, nur so geschehen, daß ich das Wenige hervorhob, womit er
gewissermaßen Ihr Werk ergänzt. Deshalb habe ich einige Gegensätze heraus-
gearbeitet, die, so meine ich immer noch, nicht bestritten werden können;
in denen aber doch auch gar keine Kritik, sondern nur Charakteristik des
beiderseitigen Schaffens liegt. Da ich weiter bemüht war, den zu seiner
Zeit etwagantiquiert wirkenden David als einen Schriftsteller hinzustellen,
der einer veränderten Gegenwart eben darum wieder etwas zu sagen hat, habe
ich die gegenwätzliche Behandlung des Erotischen vielleicht etwas zu stark
herausgearbeitet; daß Sie aber (wenn ich recht verstehe) überhaupt nicht
als erotischer Dichter gelten wollen, setzt mich wahrhaftig in Erstauben.
Am allermeisten aber, wenn ich dies sagen darf, verwundert mich
Ihre Empfindlichkeit über die sprachkritischen Bemerkungen. Weder sind
, diese im Inhalt neu, noch in der Form strenger als das in "A.S. Gestalten
und Probleme“ S.222 vor so vielen Jahren schon Geäußerte. Hier müßte ich
zun freilich, um das rechte Verständnis anzubahnen, eine kleine Abhandlung
einschieben über die Bedeutung, die innerhalb der Dichtung dem Sprachli-
chen zukommt. Zwei führende Geister unserer Zeit äußern sich über das ei-
gentliche Wesen und den innersten Wert der Dichtung in recht gegensätzlig