B82a: Korrespondenz mit Max Reinhardt und dem Deutschen Theater (Kahane, R Metzl), Seite 51

Sperettenschablone zu durchbrechen. Freilich müsste
Straus durchaus, worauf wir in unserer ersten Anfrage an
ihn ausdrücklich hingewiesen haben, im Auge behalten, dass
es sich um Schauspieler handelt, und dürfte dementsprechend
die gesanglichen Schwierigkeiten der Aufgabe nicht compli-
zieren. Natürlich besteht für uns weder eine Möglichkeit
noch auch irgend eine Raison, im Rahmen unserer Theater
mit Operettensängern zu arbeiten. Wir hoffen, dass Sie sich
in diesen Punkten unserer Meinung anschliessen werden und
mit Oscar Straus in diesem Sinne sprechen.
Mit den besten Grüssen von Direktor Reinhardt
und dem Ausdruck herzlichster Hochachtung
Kr ergebener
Ce'une Vanane
23.2.09
Reinhardt
2
den 23. Februar 1909
Deutsches Theater zu Berlin
Herrn Dr. Arthur Schnitzler,
Wien.
.................¬
Sehr verehrter Herr Doktor,
im Auftrage Direktor Reinhardts habe ich Ihnen nebst den
besten Grüssen heute folgende Antwort auf Ihren Brief zu
übermitteln. Die Voraussetzung sowohl für die Erwerbung
des "Tapferen Kassian" als auch für die von uns eingelei-
teten Unterhandlungen mit Oscar Straus war durchaus die
Darstellung durch stimmbegabte Schauspieler, wie wir sie
in Moissi, Harry Walden und Eise Kupfer besitzen. Wir
haben mit diesen Kräften jetzt die stark mit Liedern durch
setzte "Revolution in Krähwinkel" gespielt und haben s.Zt.
in einer Sommeraufführung den "Orpheus" herausgebracht,
für den wir nur eine einzige Sängerin hinzuzogen. Es hies-
se auf den wesentlichsten Reiz unseres Planes verzichten,
wenn wir die Schauspieler dabei ausschalteten, die nach
unserem Erfahren allein im stande sind, jene alte üble