B16: Brahm, Otto 1b Arthur Schnitzler an OB, Abschrift, Seite 128

Berlin, 23.Dezember 1901.
Herrn Dr.Arthur Schnitzler
Wien IX.Frankg.1.
Lieber Herr Doctor!
Wir können es Ihnen nicht verdenken, dass Sie wegen
der einmaligen Probe nicht die beschwerliche Reise
machen wollen, werden aber doch die Probe heute im Ko-
stiim und mit Beleuchtung abhalten und erwarten also
gem Ihr Kommen für die nächste Woche. Wir möchten Sie
aber doch dabei darauf aufmerksan machen, dass am Dienstag
wegen des Sylversters und am Mittwoch, dem Neujahrstag,
keine Proben sta tfinden. Vielleicht erscheint es Ihnen
deshalb rathsamer, schon zum nächsten Sonnabend herzu-
kommen. Für die „Frau mit dem Dolche“ halte auch ich
eine besondere Bezeichnung für wünschenswerth, nur
scheint mir in diesem Falle „Groteske“ nicht geeignet;
ich fürchte, dass dadurch das Publikum noch mehr irre
geführt werden dürfte. Ich möchte Sie daher bitten, bis
Sie herkommen sich noch eine andere treffendere Be-
23.12.01.
zeichnung auszudenken, damit wir sie dann rechtzeitig
in unseren Veröffentlichungen angeben können. Auch für
„Litteratur" würde mir eine besondere Bezeichnung
zweckmässig und hierfür „Groteske“ sehr verwendbar er-
scheinen; vielleicht finden Sie aber auch da noch et-
was Besseres. Endlich wäre es uns für „Die letzten
Masken“ lieb von Ihnen zu erfahren,welche Kleidung im
Wiener Krankenhaus die Patenten und die Wärter haben,
oder ob Sie wünschen, dass die Kleidung nach hiesigem
Gebrauch eingerichtet wird.
Mit bestem Gruss Ihr sehr ergebener
O.B.