B91a: Burgtheater _ Der junge Medardus, Seite 6

1.2.1910.
Lieber Dr. Rosenbaum!
Ich danke Ihnen sehr für Ihr freundliches
Schreiben vom 22. Jänner. Von Baron Berger habe ich
G.F.P.
noch nichts gehört. Am 12. Jänner hatten mir, wie
Sie wohl wissen dürften, Direktor Schlnther geschrie¬
ben, dass er den Medardus persönlich seinem Nachfol¬
ger übergeben hat. Wie ich sehe dunktioniert die
Maschine auch sonst weiter und es sind über Stücke
Entscheidungen jetroffen vorden, dte dem Burgtheater
noch nicht so lange vorliegen wie das meine. Ich glaube
also, dass ich Recht und Grund habe die Erledigung
meiner Sache in kürzester Frist zu erwarten. Es kommt
dazu, dass die Neue Presse nieder an mich herangetre¬
ten ist wegen eventueller Veröffentlichung einer
Szene und dass ich wieder genötigt bin meine defini-
tive Antwort aufzuschleben; ich muss meine Verfügungen
gegen der Buchausgabe und wegen gewisser ausländischer
nträge immer wieder hinzusschieben und ich bin end¬
ich an der Zeiterführung verschiedener anderer In¬
terartscher Unter ehnungen äusserlich und noch mehr
innerlich durch dieses (freilich auch in manchen
nicht vorherzusehenden Umständen begründete) Hinaus¬
ziehen der Medardus-Angelegenheitrecht ärgerlich be¬
hindert. Es wäre sehr liebenswürdig von Ihnen, lieber
Herr Doktor, wenn Sie Gelegenheil nehmen wollten Herrn
Baron Berger im Allgemeinen oder wenn es Ihnen rich-
tig dünkt, auch im Einzelnen auf das ganz Exceptio-
nelle im Verlaufe dieser Angelegenheit aufmerksam
zu machen und hiemit die Notwendigkeit einer rachen
Erledigung zu begründen.
Herzlichst ergeben
Ihr
Herrn Dr. Richard Rosenbaum, Direktionssehretär.
Wien.