B91a: Burgtheater _ Der junge Medardus, Seite 73

II
Wien, 17. November 1909.
Sehr geehrter Herr Doktor,
Nachdem ich nun den "jungen Medardus" zum ersten Mal in
den Druckfahnen gelesen habe, bin ich darin bestärkt worden, es für ei-
ne grosse Wolltat zu halten, dass die Basteiszene wegfällt. Obwol sie
an sich voller Reiz, Lebensfarbe und Kraft war, hatte sie sich doch wie
ein Keil in die Handlung hineingeschoben und vor allem das Interesse
an Medardus, der in dieser Szene mehr oder minder zu Handlangerdiensten
verurteilt war, abgeschwächt. Man hatte ihn mit seinen eigentlich
Schmerzen so ganz aus dem Auge verloren, dass ihn unsere Teilnahme am
grossen Schluss des Stückes nicht mehr recht wiederfinden konnte.
Jetzt hat sich die Figur des Helden dadurch, dass wir fortwährend bei
ihm bleiben, sehr gehoben. Wieviel szenische Erleichterungen uns durch
den Wegfall der Basteiszene geschaffen worden sind, brauche ich nicht
erst zu sagen, denn dies war ja die hauptsächlichste crux.Es dürfte
jetzt möglich sein, das ganze Stück auf die prehbühne zu bringen und
das Vorspiel mit den ersten zwei Akten vor Beginn der Aufführung voll-
ständig fertig aufzubauen, sodass sich die Bilder I bis incl.VII ohne
grössere Pause, nur soweit es die Bühnendrehung fordert,abspielen kön-
nen. Wenigstens ist das die Meinung, zu der ich im Verein mit Herrn Pro-
fessor Lefler und Herrn Vorstand Frank in einer Beratung am grünen
Tisch gelangt bin. Nächstens soll das auf der Drehbühne selbst auspro-
biert werden. Ich glaube aber wöl, dass sich hier keine Schwierigkeit
mehr ergeben wird, obgleich fünf Eilder nebeneinander gestellt werden