B121: Fischer, Salomo_SF an Arthur Schnitzler 1888-1914 Originale, Seite 424

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S. Fischer, Verlag, Berlin W., Bülowstraße 90
den 27/5. 1910
Herrn Dr. Arthur Schnitzler
Wien XVIII
Lieber Herr Doktor,
aus Frankreich kommt eine Anfrage wegen des Uebersetzungsrechts
von "Liebelei". Sollte das Stück noch frei sein, so bitte ich, mir
zu sagen, zu welchen Bedingungen ich abschliessen soll.
Sie empfangen gleichzeitig den Entwurf von Walser für den "Medar-
dus." Es ist ein echter Walser mit allen seinen Vorzügen und Fehlern,
im ganzen doch aber so charmant und dekorativ, dass wir mit dem Entwurf
wohl zufrieden sein können. Bitte schicken Sie ihn mir bald zurück.
Mir geht der Plan durch den Kopf, Ihren 50. Geburtstag mit einer
Ausgabe Ihrer „Gesammelten Werke“ zu feiern. Wenn Sie diesen Plan gut
heissen, so würde zu überlegen sein, welche Werke in diese Ausgabe aufs
zunehmen sind. Eine Auswahl in 3-4 Bänden zu einem billigen Preis
(höchstens 12-15 Mark für das komplette gebundene Werk) würde einen
grossen Abnehmerkreis finden. Der billige Verkaufspreis spielt buch-
händlerisch eine grosse Rolle.
Auch die Herausgabe einer Monographie über Ihr Werk habe ich
gleichzeitig vor. Wenn ich Ihnen das alles jetzt schon verrate, so
geschieht es, weil die Dinge von langer Hand vorbereitet werden müssen
und weil ich über die Person des Herausgebers einer solchen Monographie
mit Ihnen sprechen muss. Kenr kommt für eine solche Arbeit nicht in
Betracht, seine traphoristische Art, sich auszudrücken, schliesst das
wohl aus. Am besten wäre wohl Hermann Bahr. Er ist aber mit eigenen