B121: Fischer, Salomo_SF an Arthur Schnitzler 1915-1930 Originale, Seite 178

2. Blatt
S. FISCHER / VerLAG
Filiale einrichten wollte, habe ich Friese & Lang selbst angeboten,
ihm besonders mit Rücksicht auf die in Wien zu druckenden Bücher
grössere Posten in Kommission zu geben, damit wir in Oesterreich von
den schlechten Transportverhältnissen unabhängig werden. Das war eine
Notmassnahme, die Friese nun verewigt sehen möchte. Das geht aber auf
die Dauer nicht, aus den Gründen, die in unserm Brief an Friese aus-
geführt sind. Wichtig ist dabei auch, dass die grossen österreichi-
schen Sortimente selbst während der kritischen Zeit lieber von uns
wie von Friese beziehen, wir haben immer wieder in dieser Beziehung
eine ganze Anzahl Reklamationen bekommen. Der jugendlich unternehmende
Herr Friese sieht aber die Sache nur von der Seite seines eignen
Vorteils an.
Der Hauptzweck der Wiener Auslieferung war also immer der, die
gangbaren Werke der deutschen Autoren und alle Bücher österreichischer
Autoren in Wien ständig auf Lager zu halten, aber nicht um den ge-
samten §Bedarf des österreichischen Sortiments durch Friese decken
zu lassen, sondern um einzuspringen in allen Fällen, wo die eilige
Besorgung eines fehlenden Buches wichtig ist. Dass dieser Zweck nicht
immer erreicht werden kann, liegt in der Natur der Sache, die Schuld
daran trifft meistens die Auslieferungsstelle selbst, die nicht recht-
zeitig vorsorgt oder die Nachfrage unterschätzt.
Natürlich muss Friese uns eine Lageraufstellung schicken und wir
müssen feststellen, wovon er grosse Vorräte hat, was wir zurückrufen
und was wir dort behalten wollen. Ein Druck auf Friese, das Lager zu
bezahlen, besteht nicht, aber er muss natürlich das bezahien, was er
verkauft hat, und das soll er, wie bisher, immer vierteljährlich ab-
rechnen.