B121: Fischer, Salomo_SF an Arthur Schnitzler 1915-1930 Originale, Seite 440

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6. Dez. 21
/51.
Herrn Dr. Arthur Schnitzler
Wien
Lieber Freund,
ich komme mit der "Reigens-Angelegenheit nicht vom Fleck. Auf
alle meine Erkundigungen bei Harz höre ich immer wieder, dass Harz
verreist ist und dass vom "Reigen " noch genügend Vorräte vorhanden sind
G.C.F.P.
Nach meiner Meinung müsste nun Harz mit Ihnen abrechnen und Ihren eine
Lageraufstellung geben, damit hier Klarheit geschaffen wird. Wegen
von Reigen
des Neudrucks liegt die Sache jetzt so, dass eine prinzipielle Fest-
stellung für die Freigabe des verbotenen Buches praktisch nicht durch-
zusetzen ist, dass aber wohl auf Grund der letzten Entscheidung die
Herausgabe des Buches kaum auf besondere Schwierigkeiten stossen dürfte.
Ich würde vorschlagen, dem Buch eventuell die letzte Gerichtsentschei-
dung voranzusetzen und ich meine, dass damit dem Ehrgeiz manches Staats-
anwaltes ein Riegel vorgeschoben wäre. Sie fragen, ob ich genügend
Papier für den "Reigen" zur Verfügung hätte. Das ist eine schwierige
Frage, die ich mit Sicherheit im Augenblick nicht beantworten kann.
Wenn Harz genug Papier vorrätig hat, dann wäre es freilich sicherer,
G.C.H.
Sie blieben noch eine Weile bei ihm, bis die Papierfrage geklärt ist.
Wir befinden uns wieder mitten in grössten Schwierigkeiten, denn
die grosse Papiernot ist daraus entstanden, dass die Papierfabriken
durch die bedeutend verschlechterte Valuta nicht genügend Rohstoffe
aus dem Ausland hereinbekommen, ein Zustand, dessen Dauer nicht zu
überschen ist. Es scheint, dass überdies ganz enorme Preissteigerungen
dafür bevorstehen; auch für Druck und Einbände sind die Preise inzwi-
R 6000.1.21.