B121: Fischer, Salomo_SF an Arthur Schnitzler 1915-1930 Originale, Seite 526

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874.
Haus Schindler
Zeit Oberschreiberhau,
den 16. August 22
Lieber und sehr verehrter Freund!
Ich habe schon wiederholt Gelegenheit gehabt, Ihnen wegen
der Tantieme zu schreiben, daß der prozentuale Anteil nicht eine
Frage des Ranges, sondern der Kalkulation ist. Bin ich in der Lage
größere Auflagen eines Werkes zu drucken, und sie in verhältnismäßig
kurzer Zeit zu verkaufen, soo ist das ein bedeutender kalkularischer
Vorteil. In Ihrem Fall liegt die Sache wirklich dadurch etwas schwie-
rig, daß der weitaus größte Teil Ihrer Bücher aus dramatischen Wer-
G.C.F.P.
ken besteht, die nur in kleineren Auflagen gedruckt werden können,
und deren Absatz sich zum großen Teil in einem langsamen Tempo voll-
zieht. Das ist ein um so schwierigeres Geschäft für uns, als diese
Bücher relativ billig sein müßen.
Das ist auch der Grund, weshalb ich Sie bitten mußte, beidiesen
Büchern auf die Voraushonorierung zu verzichten, und die Teilabrechnung
nach Maßgabe des Absatzes zu gestatten. Ein Modus, der übrigens schon
durch das Prinzip der Tantieme gang und gebe ist und in fast allen Ver¬
lagen, auch bei schnell absetzbaren Werken so gehandhabt wird. Sie müßen
bedenken, daß bei den enormen Herstellungskosten nicht nur das Risiko
sondern auch die Kapitalinvestition ständig wächst, und daß es einfach
kapitalistisch nicht zu schaffen ist, hohe Summen auf lange Zeit durch
Vorauszahlung von Tantiemen festzulegen.
erhöhen müßen.
Wir haben inzwischen die Preise-
amen verredi-
und Sie bekommen natürlich.
Werken erzählender
net, was nebenbei bemerkt.