A20: Flucht in die Finsternis (Der Verfolgte, Wahnsinn), Seite 56

die Tatsache ihres Vorhandenseins ihn oft mit einer hilflosen,
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mühselig verhehlten, bösen Ungeduld erfüllt hatte. Doch das
Schlimmste für ihn war ihr Klavierspiel gewesen. Ohne zureichen-
fasst
de Begabung, aber mit der ihr eigenen Beharrlichkeit hatte sie
die Gewohnheit ihrer Mädchenja hre beibehalten täglich eine Stun-
de lang zu üben; und ihre Art Mozartsche und Beethovensche So-
naten mit kindischen dicken Fingern herunterzuspielen, hatte den
wauckend im lezend
gatten, während er nach dem Abendessen mitz### im Ne-
in einer fürkend erhalten,
benzimmer sass, manchmal zur verzweiflung gebraght. Wie oft,
welckt
wenn aufflammende Begier nach andern Frauen ihn zu neuen Aben-
teuern lookte, hatte er sich gegen den stillen Zwang, den There-
sens rührende Anhänglichkeit auf ihn austübte, vergeblich aufge-
A
lehnt; mit welcher Inbrunst hatte er sich nach seinem pflichten-
losen Junggesellenleben zurückgesehnt, dessen holde Freiheit er einer
Lemar
in den aben
gunt a he fgeopfent telle
la vie en vouloir.
ihm-
war. Und wenn diese Sehnsucht, diese Un-
barern stiloveur
geduld so übermächtig in ihm angewachsen war,wie er sie heute,
jetzt,in untrüglicher Erinnerung neu zu empfinden vermeinte,
wo war der Beweis, dass Ungeduld und Sehnsucht nicht in irgend
einem Augenblicke Wille, dass der Wille nicht endlich Tat gewor-
den war? Wo den der Beweis, dass Therese wirklich einem Herz-
welmehr
schlag erlegen, dass sie nicht an einem tückisch ihr eingegebe-
nen Gift verschieden war? Wie er sich ein solches gift verschafft,
wie er ihr beigebracht, ob er es ihr abends in einen Trank ge-
mischt, ob er sie gezwungen hatte es einzuschlürfen - von all
dem konnte er sich freilich heute keine Rechenschaft mehr geben;
Erzählte ich, dachte er weiter