B8: Beer-Hofmann, Richard 8.1 Abschrift Arthur Schnitzler an BH, Seite 122

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nur beglückwünschen. Gewisse Einwendungen bleiben
bestehen; meine Liebe zu dem Werk erhöht und ver-
tieft sich. Herzlichst Ihr A.
(nach Rodaun)
Wien, 26.5.1905.
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Lieber Richard, eigentlich hab ich mir gedacht, dass
das viele unverständige und perfide,das Sie nun
lesen mussten (mussten?),Sie kühler gelassen hätte-
aber es scheint wirklich: auf etwas gefasst sein
hilft uns immer nur so lange, als es nicht da ist,
Mir war am zuwidersten Polgar, der mir nebstbei Ta-
lent zu haben scheint und gut schreibt,- und der sich
am Schluss, in seiner Sehnsucht nach dem gemeinen
Kerl, so anmutig verräth. Er.hat doch bisher so sel-
ten vergeblich gelechzt;- man dürfte ihm sagen:
Warum in die Ferne schweifen? Ach das gemeine liegt
so nah. Auch er gehört übrigens zu denjenigen,de-
nen man doch einmal Zeit gönnen sollte - meinetwegen
12 Jahre, damit sie ungestört ihren Grafen von Cha-
rolais oder auch nur die 10 schönen Verse dichten
können - dann würde man doch sehen, was herauskommt
... mit Bildung und Fleiss und Willen...
- Was mich nicht hindert mit dem Wunsche mancher
andern zu schliessen, dass Sie bald was neues anfan-
gen—; wohl aus anderen Motiven wünsch ich das, als
die manchen andern; aber ich wünsch es sehr. Vor
allem darum, weil Sie dann die Empfindung hätten,
dass die Leute, die über den Dichter das Charolais
schreiben, eigentlich nicht mehr über Sie, sondern
über einen andern schreiben, und es ist Einem, ich
versichere Sie, ziemlich gleichgültig.
was die Leute über einen andern schreiben.
— Heute erst hab ich wieder Ihren Grund bewundert.
Frl. Erl, die mit uns war, sagte; Wieso ist er ihm
noch nicht weggekauft worden? -