B30: Ehrenstein, Albert, Seite 48

Das Weiblichkeit von einem Andern Manne träumte)
- über das Vollendete läßt sich wenig sagen.
Vor allem aber gebricht es mir an Material
ich kenne nicht jenen Schauschielereinakter der
in Berlin zu einem Skandal führte, und was
mich noch mehr interessierte: ich kenne bis
Auf das Bruchstück in einem Widmungsbuche
Die erste fassung der Liebelee nicht, die mirs
an dieser form, nach dem Fragment beurteilt.
viel höheren Wert zu besitzen scheint. (Dieselbe
legere Technik fand Ich in den in der N. Fr. Presse
veröffentlichten Szenen aus dem "Medardus"
wieder, die andererseits wieder eine gewisse
und vielleicht lustige Ähnlichkeit mit dem
Rakadu besitzen.) Summa summarum
möchte ich sehr gern ein Essay über Sie schreiben
schon weil ich Ihnen womöglich jedes Gefallen
an der vorliegenden Form des „Wegs“ ins Freie¬
benehmen will), aber weder scheint mir
G.F.L.A.O.
der Merker“ das geeignete Blatt, noch
könnte ich ohne einiges biographische und
entwicklungsgeschichtliche Material so schnell
etwas Ihrer und meiner Würdiges zu
Tage behördern. Wenigstens kaum vor
März 1911, denn meine Studien machen
nur langsame fortschritte. Zwar sind die
Geographisch-historischen Arbeiten bereits
approbiert, das kleine philosophische Rigoresum
bereits hinter mir und so steht zu be¬
fürchten, daß ich im Oktober zum Dr
besorge
theil. Degradiert werde. Aber ich fürchte, nicht
über genügend starke Protektion zu ver¬
hügen, um ins Ministerium des Unter¬
richts oder Inneren kommen zu können,
Und es müßte also im Tänner schreckliche
überdies nicht gerade viel Chancen bietende
Lehramtsprüsungen ablegen
Ihr Hochachtungsvollte und ergebenst
preißender
Albert Ehrenstein.
G.H.F.P.