B43: Hofmannsthal, Hugo von_1 an HvH, Abschrift, Seite 55

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dere, kurz, ich kann mich kaum je eine Viertel-
stunde wohl fühlen. Anfang März war ich ein
habé
paar Tage in Edlach; ich dort den Früh-
ling finden wollen, aber Eis und zehn Grad
Kalte, sowie Dora Speyer gefunden, die übrigens
lieb ist.
Jetzt ist Brandes hier, erzählt sehr amüsant
und ist gewiss was sehr besonderes. Und doch
(warum-und doch”?) hab ich eher ein Gefühl der
Entfremdung diesmal ihm gegenüber. Liegt wohl
an meiner Stimmung.-
Ich arbeite an nichts als an der langen Hovelle,
die wohl (stofflich) so eine Art Seitenstück
zur Femme de trente ans wird, eine Veuve de
trente ans - vielleicht schliess ich sie auf
der kam dalmatinischen Küstenfahrt ab.-
Eben telefoniert mir Richard, ich möge in den
Schachklub kommen - Ist das nicht ganz unwahr-
scheinlich in Paris zu hören, dass hier weiter
telefoniert wird - in den Schachklub gegangen--?
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So ist es mir gewissermassen rätselhaft, dass gewies
das Haus in der Rue Maubeuge Nr. 5 steht ja, dass
noch die Zimmer existieren, die Fenster - die Wasch-
tische -
Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie mir ist, während
ich diesen Brief ende. Als hätt ich's noch immer
nicht ganz verstanden - denn in diesem Augenblick
sind mir Dinge eingefallen, an die ich seitdem nicht
gedacht.
Leben Sie wohl. Wann kommen sie wieder? Werden wir
zusammen radeln? Ich bin neugierig auf das, was Sie
mir von der Namenlosen erzählen werden.
Von Herzen Ihr Arthur.
Grüssen Sie Hans Schlesinger und Bubi Franckenstein.