B16: Brahm, Otto 1b Arthur Schnitzler an OB, Abschrift, Seite 393

der als
Brahm.
tungen übernommen, denen ich mich entziehen
wollte. Nein, mein lieber Freund, nicht dass
zwei Stücke geschrieben beklage ikh,son-
dern dass ich zu ihnen gesprochen, mit Ihnen
vorhandelt, als wenn Sie wirklich in anderen
Beziehungen zu mir ständen, als der Direk -
tor eines grossen Theaters zu einem bekann-
ton Autor. Ihr heutiges Telegramm hat
mich gelehrt, wenn es überhaupt noch einer
Belehrung beÿderfte,wie Sie unser Verhältnis
auffassen. Es hat mich, ich will es einge-
stehen, und dies sei meine letzte Aufrichtig-
keit, beschämt. Sie verweigern mir Antworten
auf Fragen vollkommen grundlos. Sie wissen,
dass Sie die Komödie längst für Oktober-
November angenommen hätten und verweigern
mir nun plötzlich die Auskunft,wann Sie
sie spielen können. Sie schlagen mir die
kleine Garantiesumme ab,mir,gerade mir, als
1.° 1.
Brahm
wenn ich, der ei nzige Ihrer Autoren, kein
Recht auf einen Vorzug hätte, den Sie so man-
ehem andern angedeihen lassen,-so hlagen die
Garantie ab,die ich,wie Sie aus jener Stel-
le ersehen haben, als mir zugestanden be-
trachten musste. Es ist ein Mangel an Einex
Entgegenkommen,auf den ich auch in den miss-
trauischsten Stunden nicht gefasst gewesen
bin - und was mich eben am tiefsten herab-
stimmt, ist dies Bewusstsein,das nur mein
Vertrauen zu Ihnen den jetzigen Zustahdd
und meine Enttäuschug ermöglicht hat. Sie
wissen hoffentlich, da s ich unter Enttäu -
sehung nicht die 3000 Mark meine. Vorläufig
kann ich mich noch ein paar Monate gedul-
den und ohne Ihre carantie weiter leben.
Aber es war das erste Mal, dass ich irgend
etwas nicht wie eine Gefälligkeit - nein,
wie etwas, das ich schon wie mir gehörig
betrachtet erbeten hatte - und Sie verwei-