B16: Brahm, Otto 2 Arthur Schnitzler an Brahm, Abschrift (Fortsetzung) , Seite 62

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hier glänzend, nur jagen sich am Volkstheater die Pre-
mieren so, dass die Erfolge nicht ordentlich ausgenützt
werden können.) Ich halte es für kaum denkbar, dass vom
Schicksal, von der Kritik, vom Publikum dem Autor in
einer Saison ein dritter Erfolg gesta tet wird; die
Chacen für das „W.L." verbessern sich jedenfalls,je
weiter wir es hinausrücken lassen. Ihre Entscheidung
kann natürlich nur von dem weitern Gang der Ereignisse
an Ihrem Theater abhängen; aber nach der Art wie Sie
den Anatol ansetzen,scheint er ja auch weiterhin vor-
züglich zu gehn, dazu kommt der neue Bahr, der neuen
Hauptmann, und Schönherr haben Sie sich doch auch ge-
sichert? So müsste man fast glauben, dass für das W.L.
Mitte Feber (resp. spätestens 8. Feber) nur mit Mühe
Platz gemacht werden könnte und unsere beider Interes-
sen sich begegnen.- Nun hab ich, in München, Schauspiel-
haus, mit „Masken“ u., „literatur“, die „Comtesse Mizzi“
wieder gesehn, mit Vergnügen die Wirkung des kleinen
Lustspiels beobachtet und constatieren können, dass
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die 16.Aufführung, trotz der mitgehenden ältern Stücke
(die am Residenztheater ziemlich oft gegeben wurden)
ein total ausverkauftes Haus fand (wenn ich auch 10%
auf meine Anwesenheit rechne); da fiel mir ein, ob nicht
eine Zusammenstellung für Sie „ jeiteratur“, „Mizzi”,
„grosser Wurstl“, also ein lustiger Abend, etwa im Fa-
sching, Chancen böte. Auf den grossen Wurstl komm ich
zurück, weil er neulich in Prag, mit "Puppenspieler"
und „Cassian“ getreu nach dem Buch „Marionetten“ ge-
spielt wurde und ausserordentlich amtisiert hat. Je-
denfalls hielt ich diese Zusammenstellung für thea-
tersich erer, als ein Zusammenspannen der „Mizzi“ mit
Rossen eines andern Gespanns, und wären's auch so
edle wie die Einakter unsres Wassermann (dem ich gleich-
falls wünschte, als „eigner Abend“ zu debutieren.) -
Da ich Ihnen eben schreibe, rede ich auch von diesen,
selbstverständlich nicht sonderlich wichtig zu neh-
menden Angelegenheit.-