B15: Thimig, Hugo, Seite 24

1,1
bevor ich im Irrenhause enden muß.
Auf Grund meiner wahrheitsgefreuen Ausführungen, ferner
wegen der Zukunft meiner hilf- u. mutterlosen Kinder bitte
ich die sehr geehrte Direktion des Burgtheaters vor allem den
„Salzburger Besichof“ wegzulassen, im Einvernehmen des über
uns ungeführten Herrn Autors Streichungen vorzunehmen u.
zu dem Zwecke das Stücke bis auf weiteres abzusetzen. Zumal
mit uns auch unsere in Österreich in geachteten Lebensstellungen
stehenden Verwandten in peinliche Schande mit hineingerissen werden
unsäglich traurig für jene Angehörige, die zurzeit auf den Schlacht¬
feldern bluten u. sterben! Grunnen Sie auch der Erten Mutter
nen Münchener Ostfriedhof, auf deren Grabeshügel ich mit den Trichtern
vergestern den sehsten Allerseelenkranz legte u. ein stelles Vaterunser
betete, ihre einsame Gratesruhe in der fremden Stadt.
Mit meinen Ausführungen will ich natürlich der geehrten Spielleitung
Durchaus nicht nahe treten, Sie konnten von der Sache bisher nichts wissen
Ich bitte, neu tümlich, Herrn Schnitzler in meine Läumunds-Z. Einsicht nehmen
nur
zu lassen, über den Inhalt d. Briefes konnte er sich am Ende beleidigt fühlen.
Sollten Sie mit jemanden von der „N. Fr. Presse“ Fühlung haben, so würden
Sie uns zu Dank verpflichten, wenn Sie diesem die Zeugen. Abschriften
für Herrn Dr Benedikt übergeben würden. Bitte tueren Sie einer unschuldig
schwer bedrängten Familie die Gefälligkeit. Unser Gott, der die deutschen
Waffen signet, wird es Ihnen lohnen! Womit auch die Wiener liberate
weiter
Presse keine umrichtigen „Witze“ bringt.)
Wegen der Schlüssel-Tendenz hat sich ja auch in einem Teil der
österreich, u. deutschen Presse eine starkeêposition gebildet wegen
des neue Stück.
* er wurde mir meine „Anmaßung“ publizistisch seinigesten.
Nun bitte ich zum Schluß die sehr geehrte Direktion
u. Spiel-Leitung des Hofburgtherters ob meiner (für
mich auch unangenehmen) Debästigung um Verzeihung.
Ich weiß, Sie sind geistig hochstehende deutsche Männer,
Die Ihrem Volke viel lieber den unsterblichen deutschen
mich
Klassiker vorführen möchten, an denen ich in meiner
Tugendzeit im alten Burgtheater auch erbaute, so
oft ich nach Wien kam. Sie müssen halt auch dem
Zuge der Zeit folgen.
Sollte bei uns auch vielleicht einmal ein Fehler
vorgekommen sein, so sollten die "unfehlbaren" Herrn
Puttigisten doch bedenken, daß wir ja auch nur
Menschen nur Staubgeboren sind. Wir sind rechtlich
denkende hermlose Menschen, viel hermloser u. anständiger
als andere Tausende, um deren Privatsachen sich logisch
an Presse auch nicht kümmert. Ich bin auch den Prinigern viel
zu unbedeutend, aber sie wollen in mir meine Art,
den verhaßten Deutschösterreicher treffen; als ob ich dafür
könnte, daß ich von christlich-Deutschen Eltern geboren bin.
Ich bitte als wehrloser Mensch nochmals um Ihren
gütigen, menschenfreundlichen Schutz für mich u. die
Ihr hochachtungsvoll ergebener
Kinder u. bin vorhinein dankend
Th. Geuslmer
ben
den Brief geben in Salzburg auf, wo heute etwas zu
besorgen habe, damit er nicht von der Grenz - Zinsur gelesen
wird.
Zur Verständigung erwähne noch, daß ich 1912 einige Zeit in Wien war, wo
dch Verwandte besitze, dorthin (Spaisung) sind die Grünnundszeuge: abressirt