B19: Wassermann, Jakob, Seite 8

WIEN XIX.
JULIE WASSERMANN.
HAASGRABEN
VILLA WASSERMANN
gemeinen Tratsch,
einer kriminellen Handlungsweise bezichtigt wurde. Die Sache war so
wenig vage, dass Dr. Oskar Samek, der Freund von Karl Kraus sich veran-
lasst sah, zu intervenieren und mir schriftliche Genugtuung verschaffte.
Sicher wussten Sie bis heute nichts von meiner Versüh-
nung mit Jakob, sonst hätten Sie wenigsten aus Rücksicht für ihn
einer gewisse Verschleierung sich befleissigt. Es ist mir unbegreiflich,
dass Sie, demals Psychologo genau bewusst sein muss, dass an solchen
Ehrabschneideungen immer etwas hängen bleibt und dass für den Betroffenen
die Lebensspähre geradezu unerträglich sein muss, in der, derartige An¬
kann Blossstellung
schuldigungen wuchern. Nur eine wirkliche Feindseligkeit, die Verworzung
meiner Person
wie Sie dies getan haben, erkären. Zudem weiss die
Oeffentlichkeit durch eine bestimmte Stelle meines Buches über Jakob Was-
sermann, dass Sie bereits vor dreissig Jahren im Haus meiner Eltern freun
Fo
dschaftlich verkehrt haben, so dass man schliessen muss, Sie werden wohl
Ihre Gründe gehabt haben, ein solches Zerrbild von mir zu schaffen. Der
Zweck meines Briefes ist die Anfrage, wieso Sie, den ich bisher für mei
nen Freund hielt mir etwas derartiges antun konnten. Aber auch Jakob hab
ben Sie damit etwas angetan.
Nach seinem, wie nach meinem Geschmack wäre es gewesen, dass unsere Ver-
söhnung anonym bleibt. Ihre Handlungsweise belehrt mich, das dies künf-
G.C.H.F.
tighin nicht möglich sein wird und dass ich auch nach aussen hin den
Schutz seiner Freundschaft werde geniessen müssen. Sonst würde ich ja ris¬
kieren, dass im Laufe der nächsten Jahre ähnlich Ehrabschneidungen wei-
glauben
terhin gedeihen, und ### von jenen ins Leben gesetzt werden, die xxx
sich dadurch
bei gewissen Leuten beliebt zu machen. Ich werde alles, was in xxx
meinen Kräften steht tun um dies unmöglich zu machen und rechne insbeson
ders auf Jakobs Hülfe. Aber auch Ihre bekannt vornehme Gesinnung muss
sich jetzt erweisen. Ich erwarten also Ihren Brief indem Sie meine Frage
beantworben und mir auch mitteilen, was Sie zu unternehmen gedenkenum