A53: Der Geist im Wort und der Geist in der Tat, Seite 16

käme dem Wesen dieser Geistesverfassung am
nächsten. Er ist in Tagesinteressen befangen,
vom Gegenwärtigen benommen, ja berauscht:
Dem Journalisten wird auch der bedeutungs-
vollste Vorgang im Innersten gleichgültig sein,
wenn er nicht zugleich aktuell oder gar sensatio-
nell ist; das Nichtigste aber gewinnt Bedeutung
für ihn, wenn es als sensationell oder wenigstens
aktuell gelten kann. Die Repräsentanten dieses
Typus sind unter allen Repräsentanten des nega
tiven Gebietes am un rettbarsten im Tagver-
wurzelt. Sie wissen nichts von Zusammen¬
hang, sondern nur von Bezug. Alle Charakteri-
stika des negativen sind bei den Re-
Gesichte
präsentanten dieses Typus am stärksten ausge-
sprochen. Und nirgends leuchtet die innige Ver-
bindung der Begriffsreihe, die wir als charak-
teristisch für das negative Dreieck auf-
mit
gezeichnet haben, so völlig ein, wie in ihrer Affi¬
den
nität zu diesem Typus
Bedeutende Repräsentanten dieses negativen
immalit
Typus leiden besonders oft unter der Sehnsucht
nach dem positivem Gebiet; und sie feinden esam
grimmigsten an. Mit dem Politiker und Spe-
kulanten (den wir im Diogramm der Tat fin-
den werden) zusammen stellt der Typus des
Journalisten das eigentlich satanische Ele¬
ment der Welt dar.
Unter den Berufsjournalisten gibt es
viele, die vom Urtypus weniges oder nichts an
sich haben, wie ja gerade der Journalismus als
Beruf besonders geeignet scheint die verschieden-
artigsten Elemente in sich aufzunehmen. Anderer-
seits ist es leicht zu verstehen, daß die Geistesver¬
fassung des Journalismus (Aktualismus) zum Be¬
ruf des Journalisten ganz besonders disponiert.
Der sogenannte große Journalist wird der
Geistesverfassung nach kaum jemals den
Urtypus Journalist, sondern häufig den Typus
Historiker (Kontinualist), manchmal den Typus
Staatsmann den Typus Dichter, gelegentlich
I Sir
auch den Typus Politiker (also einen anderen
Typus des negativen Gebietes) repräsentieren.
Der Dichter ist Gestalter und Bewahrer aus
innerer Notwendigkeit. In seinen schöpferischen
Momenten ist ihm die ganze Welt Material für
sein Werk. In seinen unfruchtbaren verliert die
ganze Welt für ihn ihren Glanz oder erlischt
geradezu. Keiner ist so sehr wie er Mensch von
Gnaden des Augenblicks.
Er ist der fließende Spiegel der Welt und
bleibt es, auch wenn der Spiegel sich zeitweilig
bis zur Undurchsichtigkeit trübt.
Dem Literaten ist die Welt nicht a priori
material für sein Werk. Er ist vielmehr auf
Stoffe aus. Er betrachtet seine Erlebnisse, seine
Beziehungen, seine Stimmungen darauf hin, wie
er sie etwa zugunsten seiner Produktion verwen