B17: Brandes, Georg 17 (1) Brandes an Schnitzler, Seite 27

Kopenhagen(genügende Adresse)
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4. Dezember 1915.
Verehrter Freund.
de grosse Maschine, die xxx
Drei Jahre sind vergangen, seit ich Ihr Gast war und die Freude
hatte, in Ihrem Heim mit Ihnen, Ihrer Frau Gemahlin und Ihren Freun-
den zu verkehren. Seitdem - wie viel unerhörtes ist geschehen! Alles
ist anders geworden.
Ich wollte Ihnen schon vor einem Monat für Ihre dauerhafte Freund-
schaft danken, dass Sie mir die Komödie der Worte sandten. Sie haben
wieder einmal das Labyrinthische dargestellt der erotischen Nei-
gungen und wie die xxx Ehen die Herzen hemmen und fesseln. Tragisches
und Possierliches ist nach Ihrer Gewohnheit gemischt. Mir war Alles
lieb.
Vor etwa drei Wochen sah ich in einem grossen privaten Verein
hier Ihren Dr. Bernhardi im Wesentlichen ganz vorzüglich aufgeführt.
Das Stück ist mir theuer; nur kann ich mich nicht mit der Logik
recht befreunden, dass wil Jemand nicht zum Märtyrer geeignet ist,
er überhaupt nicht für seine Ueberzeugung eintreten solle. Wir lassen
ja alle ohne Ø Protest das meiste hingehen, weil das Protestieren
doch nichts nützt; aber Sie sollten nicht unsere Handlungskraft
durch Entmutigung lähmen. Das ist die alte "Ironie" der Romantiker,
die dem Pathos die Spitze abbricht.
Doch, was liegt heutzutage an all dem! Macduff sagt: O horrer,horrer,
horrer
engue nor heart.
Cannot conceive nor name thee.
Ich Habe leider im Augenblicke wieder einen Anfall von meiner
chronischen Krankheit, der Venenentzündung. Sie kam zum ersten Mal
in 1871 nach einem Typhus, und seit 1897 wieder nur zu oft. Nach
2½ Jahren macht wie mir wieder ihren Besuch.
(4.12.1915.) 45
" - 2 -
Verehrter Freund.
Die grosse Maschine, die ich über Goethe machte, wurde schnell (in
diesem kleinen Land) in 3,500 Exemplaren verkauft. Eine neue Auflage
ein wenig verbessert, ist erschienen. Es sind zwei recht dicke Bände.
Ausserdem habe ich viele grössere und kleinere Artikel über die Zu-
stände - leider in unserer Geheimsprache - geschrieben.
Peter Nansen, den Sie kennen, hat seine Produktion wieder aufgenommen
und u.a.eine nicht unbedeutende grössere Novelle erscheinen lassen.
Selbst liegt er leider krank. Er hat zu viele Zigaretten geraucht,
zuviel Whisky getrunken, sein Herz scheint gelitten zu haben, er hat
seit 3ä4 Wochen ein schwaches Fieber, das nicht weichen will. Ich liebe
jedoch de
ihn sehr und bin um ihn bekümmert.
Liebster Freund, empfehlen Sie mich den Ihrigen und bleiben Sie mir
gewiss mit noch gres-
die 20 Jahre alter
Sie. D
gut.
Ihr neuen als Sie.
Georg Brandes.
kenne nichts widerlicheres und dümmres. Lassalle sagt
von Menschen sind mir vor allem verhasst: Journalisten und Juden -
und ich bin beides.“ - Ich hasse die "ritiker und verachte sie, be¬
sonders die moralisierenden.
Einen Punkt muss ich
###ng.
ich wisse
rieben Sie mich
s raske M