B17: Brandes, Georg 17 (2) Schnitzler an Brandes, Seite 21

- 3 -
Seit das Wetter schön ist, radl ich auch manchmal aufs Land, und
für den Sommer hab ich grössere Touren auf dem Rad vor. Vielleicht ent-
schliessen Sie sich einmal, in der heissen Zeit ins Gebirge zu gehn;
ich habe mich schon darauf gefreut, einmal mit Ihnen im Freien zu sein,
ausserhalb von Stadt und Mauern herumzuspazieren. Vielleicht liess
es sich gar machen, dass Sie, Goldmann und Beer-Hofmann und ich irgend-
wo zusammentreffen, fern von allen Zeitungen- und am Ende auch von
aller "literatur".- Jedenfalls hoff ich Sie sagen mir bald wieder ein
Wort, wies Ihnen geht. Es ist eine meiner wirklichen Freuden, dass Sie
meiner mit Sympathie gedenken. Ich grüsse Sie herzlich.
Ihr Arthur Schnitzler
Wien.3.5.900.
21)
Wien, 25.4.901.
Lieber Herr Brandes,
Paul Goldmann hat mir Politiken mit Ihrem Artikel über
mich gesandt und ich versuchte dänisch zu verstehn, was mir nur zum
Theil gelang; die Neue Freie Presse kam mir zu Hilfe - und Sie können
sich denken, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich nun alles, was
Sie über mich schrieben, wenn auch nur in der Übersetzung lesen konnte.
Lassen Sie mich Ihnen die Hand drücken - und weiter nichts sagen - wie
es Ihnen ja gewiss am liebsten ist.
Sie haben hoffentlich meine Karte aus Rom bekommen und wissen,
dass ich Ellen key kennen gelernt habe, die mir zu meiner Freude er-
zählte, dass Sie den letzten Winter in vollkommener Gesundheit ver-
bracht haben. Wenige Tage nachdem ich Ellen Keys, deren Wesen mir wahr-
haft wohl that, bei Wassermanns kennen gelernt, traf ich sie ein zwei-
tes Mal und Helge Rhode (? Rode?), den sie mitbrachte. Ich war kaum zwei
Wochen in Rom, eben genug, um zu wissen, wie man es ein nächstes Mal
anzufangen hat, um seine Zeit gut auszunützen. Von Rom ging ich nach
Florenz, wo ich mit meiner Wama Rendervous hatte - aber den Frühling
fand ich nirgends. Man fror beinah immer. Sie waren - oder sind noch?-
in Berlin, wie mir Georg Hirschfeld schrieb; wann kommen Sie wieder zu
uns? Sie würden nicht viel verändert finden. Beer-Hofmann hat nun auch
zu seinen Töchtern einen Sohn bekommen, aber von dem ist begreiflicher-
weise noch nicht viel zu erzählen. Ich werde diemmal wahrscheinlich
sehr bald ins Gebirge reisen; und nach mancherlei Kleinigkeiten, die ich
in den letzten Zeit gemacht, mich wohl endlich wieder an was grösseres
wagen. Einen kleinen Roman, den ich vorigen Winter schrieb, haben Sie