A128: Im Spiel der Sommerlüfte. In drei Aufzügen, Seite 56

JOSEFA. Schwäche nennen Sie, was doch
ist als die begreifliche Sorge um einen Mensch.
Sie lieben!
KAPLAN. Sorge um sein irdisches I
um sein Seelenheil.
nicht b
JOSEFA. Um das darf Ihnen doch
sein. Hat Ihr Bruder sich nicht von Ihnen Ab
geholt?
KAPLAN zuckt zusammen.
JOSEFA. War er nicht darum bei Ihne
haben Sie ihm nicht Absolution erteilt
Und
Recht?
KAPLAN. Hatt' ich dazu das
gedeuret, seine
wenn ich sein Kommen auch richtig
Absicht geshnt hatte — wäre es nicht Hochmut ge¬
ich ich ihn
wesen, wenn ich mir anmaßen wolite
von Sünden freizusprechen?
gäbe es einen
we
JOSEFA. Ohne Hochmut
dürfte zwischen
Menschen, der sich Mittler dünken
Gott und Mensch?
KAPLAN. Ward ich nicht zu solchem Mittleramt
geweiht? Und unbeirrt in meinem Glauben durfte ich
mich dieses Amts nicht vürdig halten? Nun bin ich es
nicht mehr. Bin es vielleicht schon/lange nicht. War
mir des im Innersten bewußt und vagte es nicht mir
einzugestehen. Nun ist es zu Ende mit dem Selbst-
betrug. Als ich die Kirche verließ war es nicht meine
feste Absicht, zu dem alteri Mini zi eilen, dessen
schwankende Seele ich zu Go###t geliiteh wollte? War
ich nicht schon auf halbem Weg zu ihm? Was lenkte
meine Schritte ab, was anderes s das Gefühl, daß ich
zu solchem Amt nicht mehr berufen
niemals kirch-
JOSEFA. Der Hofrat selbst ha do
lichen Beistan### gewünscht. Sie besuchten ihn — sagten
Sie es nicht selbst — als Freund.
KAPLAN. Was wissen wir von en Stunden zwi-
schen Leben und Tod? Ist es nicht ehr möglich, daß
es ihn in der Tiefe seiner Seele nach den Tröstungen
der Religion verlangt — ohne daß er sich dessen mit
Klarheit inne wird? Heute morgens, als ich an seinem
Fischer-Verlag, Berlin
Im Spiel der Sommerlüfte
l. Fahnenkorr. am 21. 8. 29
liographishes Institut, Leipzig