A128: Im Spiel der Sommerlüfte. In drei Aufzügen, Seite 88

ERSTER AUFZUG
Ein bescheidenes Parterrebäuschen (links) mit Garten, ein bölzerner
grüner Zaun umgrenzt den Besitz gegen die freie Landschaft. Breite
Veranda mit Tisch und Sesseln, von der eine offene Türe in das Innere
des Hauses und einige Stufen binab in den Garten führen. Mansarde
mit praktikabelm Balkon. Im Garten mehr rechts Tisch, Bank, Sesseln;
Schaukelstubt. Weiter rückwärts rechts zwischen zwei Bäumen aus¬
gespannt eine Hängematte. Längs des Zaunes ein Fußpfad, rechts
Felder, Wiesen, allmäblich ansteigend bis zu bewaldeten Hügeln.
Schöner Morgen im Spätsommer. Am Gartentisch beim Frübstück
Professor Vincenz Friedlein und seine Frau Josefa.
VINCENZ, einfach stattlich, ungefähr 50, volles, angegrautes
Hauptbaar, ebensolcher Knebelbart; er siebt ein wenig wie ein Künstler
und noch etwas mebr wie ein wohlbabender Meister aus. Beides drückt
sich auch in seiner Redeweise und seinem Gebaben aus.
Seine Frau JOSEFA, etwa 36, sebr jugendlich, in einem be-
quemen, aber netten bellen Morgenkleid, spricht und bewegt sich etwas
müde, doch häufig und immer bäufiger bricht durch ihr Wesen die
Lebbaftigkeit ihres Temperaments.
Außerhalb des Gartens zieben rückwärts Landleute, zum Teil mit
ihrem Arbeitsgerät, vorbei, was auch im weiteren Verlauf des Aktes
zeitweise der Fall ist. Auch Sommergäste auf dem Fußpfad längs des
Zauns und weiter im Hintergrunde.
KATHI, die etwas bäuerische Magd, trägt eben eine Tasse, auf
der sie das Frübstück serviert hat, über die Veranda ins Haus.
VINCENZ nach einem Schluck Kaffee. Das kann schön
heiß werden in der Stadt!
JOSEFA. So bleib doch heraußen. Auf den einen
Tag wird’s nicht ankommen — jetzt, wo das Modell
beinahe fertig ist.
VINCENZ. Eben. Ich hab nach Kassel geschrie-
ben, daß es zur Besichtigung bereit steht.
JOSEFA. Sie werden dich doch vorher verständigen.
VINCENZ. Natürlich. Vielleicht finde ich schon
heute eine Nachricht vom Intendanten in Wien vor.
II