B8: Beer-Hofmann, Richard_8.2 Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler 1910-, Seite 43

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Väkkeen:
Die letzte Rede des Arztes haben doch Sie souff-
andern
liert!
Souffleur: Ja mein Lieber - ebenso wie Ihre Reden!
Sebastian: (winnert auf, der Arzt unterstützt ihn und fühlt ihm
den Puls).
Wieso? Ja so! Natürlich! Aber hören sie auf, Sie sehen
Dichter:
doch, der Mann stirbt bereits an Ihren Drehs!
Souffleur: An meinen? Doch auch an Ihren!
Dichter: Ja, ja! Aber nach dem Nachtmahl ist mir das zu an -
strengend. (Er will sich auf die Barriere setzen).
Souffleur: (aufschreiend) Nicht auf die Barriere! Das ist keine,
das ist der letzte Akt: grün und stark gestrichen!
Auf den wird sich die Kritik setzen!
Keine Witze jetzt! Sagen sie übrigens: Es ist ja
Dichter:
sehr ehrenvoll für mich, aber - haben sie wirklich
nichts anderes zu tun als sich meine Figuren herzu-
nehmen, und mit ihnen Schindluder zu treiben? Fischer
würde sagen: “Ein ausgeruhter Kopp!“ Bei Ihnen kann
man sich ja nicht einmal revanchieren. Ris zu Ihrer
Generalprobe bin ich bestenfalls so alt wie der alte
Moser! Warum verschwenden Sie so viel Geist - -
(um Sebastian bemüht) Ein Glas Wasser,bitte.
Arzt;
(fortfahrend) - - da sehen sie - so viel Geist an
Dichter:
fertige Figuren, die ihn wirklich nicht brauchen?
Geben Sie Ihren davon - ich meine den noch unfertigen!
Bei einer Pentalogie kann man nie davon genug haben!
Uebrigens,mir fällt ein: Sie könnten eine Familien-
fideikomisstiftung aus der Pentkalogie machen.Immer
der älteste Sohn hat daran zu schreiben, und wenn einer
Ihrer Nachkommen sie wirklich fertig macht, so wird
er enterbt - weil er aus der Art geschlagen ist! Wissen
Sie: wenn Sie schon das Stück kritisieren wollen,
gestalten sie nicht an meinen Gestalten herum - sondern
schreiben Sie ein Essay für die “Rundschau“ - das wird
wenigstens klarer und deutlicher sein.
Souffleur: Deutlicher vielleicht - aber das war nicht meine
Absicht!
Hetzen Sie doch nicht den Satz zu Tode - er ist sehr
Dichter:
Souffleur: Eigentlich, lieber Arthur, ist es recht unfreundlich
von Ihnen, mir das von der Pentalogie - wenn auch im
Scherze -so vor allen den Leuten zu sagen! Sie hätten
mir das auch unter vier Augen sagen können - das wäre
liebenswürdiger gewesen.
Liebenswürdiger vielleicht! Aber das war nicht meine
Dichter:
Absicht!
Souffleur: Hetzen Sie doch den Satz nicht zu Tode! Er ist sehr
Uebrigens,das, was Sie den Arzt da sagen lassen, von
Dichter:
der Kausalität - ist recht couragiert von Ihnen. Sie
spielen den Krieg in Feindesland! Sie - als Vertei-
diger der Kausalität! Wissen sie, was sie sind?"
Souffleur: Meiner Bescheiden neue Tieber Arthur, ist es wohl zuzutrau-
en, dass ich weiss, was ich bin!
Sie sind: "Grachi de seditione quaerentes"! Bomben-
Dichter:
werfer, die über Knallbonbons sich beklagen! Sie
verlangen Kausalität in einem prama! Ich krieg ordent-
lich eine Wut, wenn ich mir das vorstelle! (er bricht
erbittert ein stück von seiner Virginia, die nicht
brennt, ab) Ausgerechnet Sie machenmir Vorwürfe!