B16: Brahm, Otto 1b Arthur Schnitzler an OB, Abschrift, Seite 293

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1.9.1911.
Schnitzler.
Zur Besetzung muss ich Ihnen mitteilen, dass Frau Leh-
mann nicht mitmachen kann, weil sie überhaupt erst im
Jahuar wieder nach Berlin kommt. Es beruht das auf ih-
rem (Reinhardts culpa, non mea) kontraktlichen Vorrecht,
nur 6 Monate im Jahr bei uns zu spielen, und auf dem
Umstande, dass die Novitäten, in denen sie Hauptrollen
hat, erst später herauskommen können. Es tut mir auf-
richtig leid, dass wir auf Fr.L.verzichten müssen, das
glauben sie mir wohl ohne Weiteres; aber ich meine,
dass wir in Frl.Sussin einen recht annehmbaren Ersatz
haben, die ja wie Sie wissen, jetzt eine ganz andere Stel-
lung einnimmt, und anderes leistet, als zu der Zeit,
wo wir die Besetzung zuerst besprachen. Damals hätte
ich sie Ihnen nicht vorschlagen dürfen; heute tue ich
es mit begründeter Ueberzeugung.- Vielleicht kann ich,
zum Ausgleich für diese notgedrungene Aenderung, Ihnen
doch noch den Sauer für den Aigner liefern; es geht ihm
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vorläufig besser, und wenn er durchhält, möcht ich ver-
suchen, ihn wenigstens für einige Vorstellungen ins
„weite Land“ zu locken.- Ich wiederhole nun noch die
Besetzung im Ganzen, da Sie auf dem Semmering danach
verlangten: Hofreiter-Monnard, Genia-Triesch, Fr. Mein-
hold-Sussin, Otto-Stieler, Aigner-Sauer (Reicher, Wal-
ther), Fr.Wahl-Grüning, Gustav-Prorest, Erna-Herterich,
Natter-Reicher (Froböse), Adele-Lore Busch „Mauer-Marr,
Kreindl-ziener, Rhon-Rickelt (7, Froböse?), Fr.Rhon-Eberty,
Stanzides-Loos + (Walther), Rosenstock-Nessler.
Die Bekreuzigten sind neue Mitglieder; alle nahelie-
genden Witze unterdrücke ich, wie Rhon; und fernerlie-
gende fallen mir nicht ein. Serknitz rate ich nun
doch zu streichen; das Stück ist überreich, und wir
müssen sparen, wo wir können, um für die Hauptsachen
die Empfänglichkeit zu erhalten. Das Sparen bezieht
sich aber nicht auf die Dekorationen, und Sie wer den