B16: Brahm, Otto 1b Arthur Schnitzler an OB, Abschrift, Seite 331

Wien, 22.1.98.
Lieber Herr Doktor,
eben erhalte ich 2 ganz gleichlautende Abschriften vom
Burgtheater, sende Ihnen, damit kein weiterer Aufschub
entsteht, die eine Abschrift, so wie sie ist;in Ihren
Bemerkungen beziehen Sie sich freundlichst einfach
auf Seite und Zeile, da die Abschrift, die bei mir bleibt,
genau mit der bei Ihnen stimmt. Titel bleibt vorläufig
Das Vermächtnis. Die eventuelle Aufführung hier wird
nattürlich, trotz der Annahme durch Burckhard, von Schlen-
ther abhängen. Die Idee, das Stück noch im Jänner auf-
zuführen, hat B. natürlich aufgegeben.- Ich will heute
nicht mehr über das Stück sagen und erwarte Ihre An-
sicht mit begreiflichem Interesse. Für Ihre Verwendung
betreffs Goldmann nochmals herzlichen Dank! G, selbst
wusste nichts davon; nur seine Verwandten; heute weiss
er's natürlich. Halten Sie einen Erfolg für möglich?-
Ist Brandes noch in Berlin? Wenn ja bitte fragen Sie
ihn, ob er meinen Brief nach Kopenhagen von Ende Dez.
(22.1.98.)
oder Anf. Jänner erhalten hat und schreiben mir viel-
leicht, wann er hieher kommt.
Wie geht der Johannes?- Was wollen Sie als nächste No-
vität bringen?- Was macht Georg Hirschfeld? Am 1. Fe-
ber ist „Freiwild“ im Carltheater.
Neulich wurden 2 Einakter aus Anatol, Weihnachtseinkäu-
fe und Abschiedssouper im Sophiensaal gegeben. Es war,
wie wenn man einen Kanarienvogel in einen Bärenzwinger
einge sperrt hätte.- Die Barsescu ist ja bei Ihnen nicht
alt geworden!! -
Leben sie wohl, entschuldigen Sie die Eilfertigkeit die-
ser Zeilen und seien Sie herzlich gegrüsst!
Ihr treuer