A128: Im Spiel der Sommerlüfte. In drei Aufzügen, Seite 72

GUSTI wehrt durch eine Geste ab, der sie eine Geste folgen
läßt: Geb! — Verschwindet im Haus.
FELIX bleibt eine kurze Weile steben, dann rasch zur Gar¬
tentiür.
Im gleichen Augenblick erscheint PROFESSOR FRIEDLEIN,
uberzieber am Arm, Hut, ein verpacktes Buch in der Hand.
VINCENZ. Oh, der Herr Doktor! In aller Früh’
schon heraußen! Die Gusti schlaft wahrscheinlich noch?
FELIXe. Nein, Herr Professor, ich habe Fräulein
Gusti schon gesprochen. Und ich bin eben im Begriff,
wieder zurückzufahren.
VINCENZ. So. Das ist aber ein kurzer Besuch
heute. Na, besser als nichts — haben Sie sich wahr¬
scheinlich gedacht. Dienst im Spital?
FELIX. Ja, ich hab' ihn plötzlich übernehmen
müssen.
VINCENZ. Da laßt sich nichts machen.
FELIX. Leider. Also — Adieu, Herr Professor.
Auf Wiedersehen!
VINCENZ. Nächsten Sonntag hoffentlich.
FELIX. Ich glaube, ich fürchte — da wird es mir
a
nicht mehr möglich sein.
VINCENZ. Das tät’ mir aber leid. Selbstverständ-
lich sind Sie uns jederzeit willkommen, Herr Doktor
auch wenn die Gusti nicht mehr unser Logiergast sein
sollte. Sie muß ja wahrscheinlich schon dieser Tage
oh, mir scheint, da hab' ich mich verplauscht.
FELIX. Wieso denn? Es ist mir bekannt, daß Fräu-
lein Gusti nach Innsbruck engagiert ist. Mübseliges Lächeln.
Für den Anfang ein ganz gutes Engagement. Adieu,
Herr Professor.
VINCENZ, Felix Hand in der seinen bebaltend, berzlich.
Es geht Ihnen halt nah, Herr Doktor, nicht wahr? Es
wär' ja lächerlich, wenn ich so täte, als merkt' ich's nicht.
Sie ist ja wirklich ein scharmantes Mädel, die Gusti. Es
wird uns allen leid tun um sie. Besonders meiner
Frau —
Fischer-Verlag, Berlin
Im Spiel der Sommerlüfte
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1. Fahnenkorr, am 22. 8. 29
Bibliographisches Institut in Leipzig