A20: Flucht in die Finsternis (Der Verfolgte, Wahnsinn), Seite 68

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verklingende Melodie rettete. Die Frauen schwiegen, nachdem er ge-
endet; er sah sie nicht, da sie hinter ihm in einer Ecke des Zim-
mers sassen, doch er fühlte, dass ihnen sein Spiel gefallen hatte.
Paula erhob sich, trat zu ihm und fragte ihn, ob ihm selbst ein
guter Flügel zu Gebote stände. "Ich habe einen vortrefflichen
gehabt“, erwiederte er. „Aber im vorigen Frühjahr habe ich ihn,
sowie manches andere, verkauft. Sobald ich wieder eine Wohnung
nehme,schaffe ich mir einen neuen an. Vorläufig hause ich nämlich
noch immer im Gasthof." In den Augen Paulas schimmerte ein leisee
Lächeln auf, und er wusste,was es zu bedeuten hatte. In einem Blick,
darin
in dem sie sich begegneten, wurde das Einverständnis zwischen ihr
und ihm über allen Zweifel hinaus klar,und als er sich verabschie-
dete, sagte Paulas Händedruck noch deutlicher als es ihre Worte
ausgesprochen hatten: Kommen Sie bald wieder.
Wie ist es nur zu verstehen, fragte er sich auf der
Strasse, dass ich ihrer in den letzten Tagen mit solcher Gleich-
gültigkeit gedacht habe, ja, dass sie neulich wie in einer Verklei-
dung durch meine Gedanken schwebte und ich diesem Maakenbild
gerade zu feindselig gegenüberstand? Es war wie eine unbewusste
Scheu, ja, eine Angst, mich ihr wieder zu nähern; denn tief in mir
schlummert offenbar noch die Furcht, dass es ihr als meiner Gelieb-
ten, als meiner Frau ebenso ergehen könnte wie Anderen, die ich ge-
liebt habe. Wie Andern? Und er riss sich gleich wieder zurück.
Wie ist es Ihnen dann ergangen? Ich habe ihnen ja nichts zuleide
Get an: darüber besteht nicht der geringste Zweifel mehr. Und doch
laufen meine Gedanken immer aufs Neue nach dieser Richtung hin,
ohne Sinn und Zweck, wie auf ein totes Geleise. Auf eiin totes
Geleise, wiederholte er. Ja, das ist es. Und das Vergleichswert,