A20: Flucht in die Finsternis (Der Verfolgte, Wahnsinn), Seite 82

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zu allererst den Kein zur Verstörung gelegt hatte? und hätte sich
andernfalls sein Wahnsinn nicht nach einer ganz anderen Richtung
entwickeln können? Glücklicherweise schien Otto selbst seiner
Sache nicht ganz sicher zu sein, sonst hätte er es wohl nicht
darauf angelegt, sich Verbündete zu suchen, um mit seiner Diagnose
nicht allein zu stehen. Verbündete waren freilich immer leicht
zur Hand und nun gar hier, wo derjenige, der den Verdacht aussprach,
ein Arzt, ein hochgeschätzter Nervenarzt war, von dem keiner ahnte,
dessen
dass es mit seinen eigenen Nerven nicht zum Besten stand, und der
Verdächtigte, des Arztes Bruder war,und ein Mensch dazu, der von
Jugend auf als nervös,als ein Sonderling,bei Vielen als verrückt
gegolten hatte und so eben monate lang berufsunfähig auf Kranken-
urlaub in der Welt herumgereist war.
Doch so bedenklich die Angelegenheit in diesem Au-
genblick zu stehen schien, so sehr man auf der Hut sein musste,
verloren war sie noch lange nicht. Für tatsächlich im wahren Exta
Wortsinn verrückt hielt ihn heute doch niemand, es sei denn, dass
Otto selbst schon so weit war. Und wenn die Andern, sogar die
Aerste,die schwere Verstörung Ottos - es musste ja noch keines-
wegs Wahnsinn sein — noch nicht zu erkennen vermochten,er,Robert,
der Einzige, der klar sah, hatte wohl das Recht, ja die Pflicht, die
Menschen in Ottos nächster Umgebung auf die drohende Gefahr hin-
zuweisen; und keineswegs nur darum, um von sich selber eine abzu-
wenden. Freilich galt es vorsichtig zu sein; und wenn Otto sich
resnicht
seine Verbündeten gesucht hatte, es war ihm, Robert, seit
ver-
wehrt, das Gleiche zu tun, ja, es war seine Pflicht und Schuldigkeit,
vor allem um Ottos willen. Er dachte an Doktor Leinbach. Wurde