A20: Flucht in die Finsternis (Der Verfolgte, Wahnsinn), Seite 93

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Otto war aufgestanden und legte dem Bruder, der ihm
gegenüber auf einem Lehnstuhl sass, mit einer ungewohnten Gebärde
der Herzlichkeit die Hand auf die Schulter. Und mit einem allzu
freundlichen Lächeln sagte er: "Hast du wirklich jemals im Ernst
daran gedacht, dass ich von deiner mir gütigst erteilten Ermächti-
gung Gebrauch machen würde? Und mit einem etwas angestrengten
Versuch zu scherzen fügte er hinzu: "Da hätte ich es schon längst
tun müssen."
"Darin kann ich dir freilich nicht Unrecht geben,“
erwiederte Robert bedrückt," aber nun ist ja doch alles anders
geworden, Gott sei Dank. Ja,Otto, dass ich Paula gefunden habe, das
ist ein Glück ohnegleichen, ein ganz unverdientes Glücke. Dabei
musst
du wissen, dass ich es beinahe versäumt hätte." Er vermoch-
te su seiner eigenen Verwunderung zu seinem Bruder freier und
aufgeschlossener zu reden als sonst. Er sprach davon, wie haltlos
und verloren er seit Jahren dahingedämmert,wie die Amtsgeschäf-
te ihn nicht befriedigt,alle Vergnügungen ihn gelangweilt hät-
ten, wie er immer wieder von allerlei sonderbaren und xxxk alber-
nen Einbildungen gequält und umhergehetzt worden sei; wie aber
von der Stunde ab, da Paula in sein Leben getreten war, die ganze
Welt gleichsam lichtere Farben angenommen,wie er nun sogar in
seinem Berufe eine ungewohnte Befriedigung finde, wie insbesonde-
re die Musik dadurch, dass seine Braut auch hier sich ihn als
eine wahre Gefährtin erweise, ihm ein ganz neues Glück gewähre,
und wie er fühle, dass erst jetzt eine schwere Wolke, die er immer
als über sich schwebend empfunden, für alle Zeit geschwunden sei.
Alle diese Worte aber, dessen war er sich wohl bewusst, sollsten